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Spannung bis zum Ende

Das letzte Mal in diesem Jagdjahr ging es zur Drückjagd.

Lange freute ich mich schon darauf, aber ich konnte mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen, dass ich sowas erleben werde.

Donnerstag wütete auch hier in Thüringen das Unwetter, deshalb mussten wir den Freitag abwarten, ob die Jagd überhaupt stattfinden kann. Am späten Vormittag dann das GO von Benjamin - die Jagd wird stattfinden. Freude und Erleichterung machte sich bei mir breit und so packte ich am frühen Abend meinen kleinen Beutel mit der Kamera, Taschentüchern, Handschuhen, Jagdschein.
Am Morgen legte ich nur noch die angefangene Packung Munition hinein und fertig! Waffe im Futteral über die Schulter geworfen und schon stapften wir zum Auto.

Pünktlich am Treffpunkt angekommen, meldeten wir uns erstmal an, ich nahm mein Anstellerpäckchen entgegen und dann unterhielten wir uns im Anschluss noch mit den anderen Jägern. Alle erhofften sich viel von der heutigen Jagd.

Benjamin startete mit der Begrüßung und der Sicherheitsbelehrung, bevor es dann an die Aufteilung ging. Da ich mit drei weiteren Jägern den äußeren Ring absetzte, fuhren wir recht zeitig los.

Kurze Zeit später saß ich an am alten "Russenhügel". Heutzutage wird er wohl noch von der Bundeswehr für ihr Fahrtraining benutzt. Ich konnte weit über eine grasbedeckte Fläche sehen, aber ich sollte mich wundern, dass Gras war unglaublich hoch, sodass beim Rehwild gerade so das Haupt zu sehen war.

In den ersten 15 Minuten nachdem ich saß, wechselte über die Fläche eine Rotte Sauen. Mist, zu weit und auch schon in die Pferdekoppel gewechselt. Kurze Info an Benjamin, wohin die Sauen sind! Kurz darauf sind die ersten Schüsse gefallen.

Bei mir kam ein Fuchs, jedoch legte er einen Sprint ins hohe Gras ein - keine Chance für mich! Nun gut, nicht verzagen, die Jagd hat gerade erst begonnen. Frank vermeldete bei sich einen Frischling gestreckt zu haben. Nun gut, Augen auf und weiter konzentrieren!

Rehwild im Anblick, jetzt vielleicht meine Chance. Es verhoffte einen Moment und legte dann einen Sprint über die freie Fläche ein. Mist, wieder kein Glück. Okay, so langsam wurde ich etwas nervös, aber die Jagd ging ja noch zwei Stunden.

Wieder ein Fuchs und diesmal ein prächtiger noch gleich dazu. Er lief direkt auf mich zu, ich nahm die Waffe wieder hoch und hatte ihn die ganze Zeit im Glas. Er drehte ab in einen Busch hinein. Toll!!! Mein Inneres ICH fasste sich an den Kopf, dass konnte doch alles nicht wahr sein. Dann plötzlich rannte der Fuchs in einem Affenzahn in das hohe Gras, ein Hund folgte. Ich dachte gar nicht mehr an einen Schuss und legte das Gewehr beiseite.

Nachdem ich eine längere Zeit keinen Anblick mehr hatte, sollte mein Moment kommen. Hinter dem Hügel saß einer meiner angestellten Schützen - es knallte zwei Mal. Wie aus einem Reflex heraus nahm ich die Waffe hoch und drehte mich Richtung Hügel. Da kam doch tatsächlich eine Rotte Sauen gewechselt. Wie im Lehrbuch liefen sie. Ich wählte mir eine Sau aus und schoss. Sie lag! Ich wollte durchrepetieren, doch meine Waffe repetierte beide Patronen heraus. Das darf doch alles nicht wahr sein. Bis ich eine Kugel wieder im Lauf hatte, waren die Sauen im hohen Gras verschwunden. Kurz vor einem Heulkrampf, tobte ich ein paar Minuten wie Rumpelstilzchen auf meinem Stand. Das ist noch nie passiert. ich versuchte zu verstehen was da gerade passiert ist, aber es ging einfach nicht. Es wurde unglaublich kalt und der Wind blies kalte Luft zu meinem Sitz. Ich bibberte zum Schluss nur noch und war unglaublich froh, als es vorbei war.

Ich freute mich über meinen Frischling. Mein drittes Schwein - ich war wirklich happy!

Bis zum Ende der Jagd hatte ich nur noch in weiter Ferne drei Rehe im Anblick.

Hahn in Ruh - ich baumte ab und lief freudig zu meinem Schwein. Sauberer Lungenschuss, darüber war ich sehr froh. Ich lief schnell zu meinem Nachbarn und besprach mich mit ihm. Ich erzählte ihm was passiert sei, da er sich wunderte, warum ich nicht mehrmals geschossen hatte. Nachdem wir uns kurz einen Überblick über die gesamte Situation verschafften, liefen wir der Bracke Frieda hinterher. Er hatte ein Schwein beschossen - Nachsuche also. Wir liefen gemeinsam der Schweißspur nach, auf einmal war Frieda weg. Er gab mir seinen Autoschlüssel - ich holte das Auto, er lief noch ein Stück.
Ich rannte über Stock und Stein, schön in eine tiefe Pfütze - egal, weiter geht's! Am Amarok angekommen musste ich mir erstmal den Sitz verstellen - so viel Zeit muss sein. Das ist der Nachteil wenn man nur 1,67 groß ist ;-). Die größte Angst war es, dass Auto in diesem ganzen Matsch zu versenken, aber zum Glück ist alles gut gegangen. Ich war heilfroh angekommen zu sein, da brüllte er mir schon entgegen das Frieda Standlaut gibt und wir da hin müssen. Seiten getauscht und dann sind wir auch schon losgedüst. Mit dem Handgerät vom Garmin haben wir Frieda gefunden. Raus aus dem Auto und dann ging alles nur noch super schnell. Wir rannten in die Koppel hinein, Graben rauf, Graben runter. Wir sprangen über einen großen Baum, er stürzte - auch das noch. Nichts passiert, dann weiter. Ich habe noch schnell sein Abfangmesser aufheben können, da brüllte er schon "Los, schneller"! Wir kamen zu einem dichten Busch, Frieda stellte das Schwein, er gab der Sau den Fangschuss.

Überglücklich lies ich mich auf den Boden sinken, so viele Eindrücke - es ging alles so schnell. Das war meine erste richtige Nachsuche und ich bin überwältigt. Nach dem kurzen Moment der Erholung brachen wir gemeinsam das Schwein auf und zogen es gemeinsam zum Auto. Wieder ging es über Stock und Stein, über Gräben und unter Zäunen hindurch.

Wir fuhren zurück zu unseren Drückjagdständen, brachen auch noch fix mein Schwein auf und luden die Sachen und das restliche Wild ins Auto. Insgesamt hatten wir drei Schweine und ein Reh.
Völlig geschafft fuhren wir dann zum Streckenplatz. Dort wurden wir herzlichst begrüßt und in Empfang genommen. Dann wurde das Wild gewogen, ich kümmerte mich um den restlichen Papierkram. Dann wartete ich noch auf Frank, der noch auf einer Kontrollsuche war. In der Zeit unterhielt ich mich mit den anderen Jägern und lauschte ihren Geschichten vom Tag. Dann endlich gab es leckeres Chili con Carne von der Bundeswehr gekocht - es war richtig lecker. Darauf habe ich mich den ganzen Tag gefreut, da ich beim letzten Mal nichts essen konnte :-(. Wer gerne isst, wird mich verstehen. Ich habe extra den ganzen Tag nichts gegessen, weil ich mich so gefreut habe ;-).

Dann wurde die Strecke verblasen und die Erlegerbrüche überreicht. Voller Freude nahm ich meinen Bruch entgegen. Dann haben wir meinen Frischling ins Auto geladen, den Papierkram erledigt und sind voller Zufriedenheit die Heimreise angetreten.

Vielen Dank an Benjamin, für diese tolle Einladung und schöne Jagd!

Waidmannsheil und Waidmannsdank

Josi

2 Gedanken zu „Spannung bis zum Ende

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