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Als ich eines Sonntagsfrüh im Januar eine Revierrunde drehte entdeckte ich, dass die Schwarzkittel nahe eines ca. 2 ha großem Feldgehölzes, auf einer Wiese frischen Schaden angerichtet hatten.

Mir kam die Idee, dass sie sich wahrscheinlich in dem Gehölz eingeschoben haben könnten... Also schnell mal durchdrücken um Gewissheit zu haben.
Mit dem Handy  habe ich die Nummern, der in der Nähe wohnenden Jagdfreude gewählt und naja es war 10uhr Sonntags. Entweder waren diese vom Vorabend noch waidwund im Kessel, Mittag zum Essen eingeladen, beim Sport oder zu wenig motiviert.

Die Suche nach ein paar Treibern hatte das gleiche Ergebnis. Es sagten wenigstens ein älterer, langjähriger Jagdkumpel zu und ein Kumpel der als Treiber fungierte. Unsere Truppe wurde komplettiert von meiner Teckeldame Luna.

Somit traf sich die kleine Jagdgesellschaft in der Nähe des Gehölzes. Für das Gebiet waren 5 Jäger optimal gewesen aber so deckte ich den unteren Teil ab und mein alter Freund den oberen.

Das Treiben begann, Luna gab rasch Laut und und schon sah ich ein paar Stück Rehwild die schützende Deckung verlassen. Wenigstens schonmal Anblick gehabt dachte ich mir noch. Kurz darauf sah ich in einer Lücke das Sauen in Richtung Feldrand flüchteten, allerdings natürlich da wo keiner stand.

Nun galt es schnell zu reagieren. Ich bin dann wie ein Sprinter, allerdings ohne Turnschuhe sondern mit meinen bewährten Gummistiefeln in Richtung des vermeintlichen Auswechselt gestürmt und da sah ich sie aber schon auf ca. 120m übers Feld flüchten, gefolgt von der giftigen Teckeldame.

Zwei riesige „Koffer“ vorweg und fünf stramme Frischlinge hinterher. Die Wahl fiel auf den letzten strammen Frischling. Da Kugelfang vorhanden war schickte ich die 7x64 auf die Reise. Dieser zeichnete deutlich auf den Schuss hin und nach 10m Flucht lag er dann mit gutem Treffer.

Die sechsköpfige Rotte war mittlerweile über eine Kuppe auf und davon. Luna beutelte die Sau - Freude pur über den 34kg Frischlingskeiler. Einfache Rechnung: Zwei Jäger minus einen Treiber mal einen Kampfdackel ergibt eine Sau und ein klasse Erlebnis.

 

Waidmannsheil und Waidmannsdank

Seit diesem Jagdjahr darf ich in einem traumhaften Revier ganz in der Nähe meines Wohnortes jagen und wie das in der Jagd so oft ist, kam mir auch hier der Zufall oder besser gesagt ein auf meinem Arm schlafender Hund auf einer Drückjagd zur Hilfe. Zufällige Bekanntschaften sind doch oft die besten.

Schon seit Beginn bin ich viel in "meinem Wohnzimmer" unterwegs, kirre, repariere kleinere Dinge oder pflege Pirschwege. Gut eingelebt kennt man inzwischen die ein oder andere jagdlich attraktive Ecke, eben jagen mit Wohlfühlfaktor.

Seit dem 1. Mai saß ich nun regelmäßig auf einen Bock an, doch nie passte es so richtig. Viel Anblick von weiblichem Rehwild und im Verlauf auch von Ricken mit Kitz ließ mich zuversichtlich in die Zukunft blicken - für Nachwuchs ist also schon mal gesorgt. Aber trotzdem ließ der passende Bock auf sich warten. Flüchtig oder "auf der falschen Seite der Grenze" stehend war immer etwas, was nicht so wollte wie ich es mir gewünscht hätte.

Auch die Blattzeit begann mit Regenwetter und lief auch für die meisten anderen im Revier eher schleppend. Nachdem ich einen Abend lang mit meiner Tochter jagen war erblickte ich "meinen Bock" auf dem Weg nach Hause zum ersten mal. Er wechselte vor meinem Auto über die Straße und war sofort verschwunden. Als der Wind dann passte beschloss ich, mich nach der Arbeit das erste mal an diese Ecke zu setzen. Ich kannte die Kanzel und auch die Entfernungen, hatte dort jedoch noch nicht gejagt. Nach einer Stunde vernahm ich ihn das erste Mal, er stand rechts von mir im Gebüsch, nicht zu beschießen. Ich freute mich über den Anblick und beschloss es am nächsten Abend wieder zu versuchen.

Am nächsten Abend baumte ich bereits sehr rechtzeitig auf, um keine Unruhe zu machen. Bereits nach einer halben Stunde war "er" wieder da. Dieses Mal trat er vor mir am anderen Ende der Fläche aus, leider auch dort sehr hoher Bewuchs. Eine geschlagene halbe Stunde hatte ich seine Lauscher und das Gehörn im Absehen, die erste Aufregung war bereits verflogen aber er tat mir einfach nicht den Gefallen aus der Deckung heraus zu treten, um ihm einen sauberen Schuss an zu tragen. Eine halbe Stunde, die Waffe im Anschlage, eine halbe Stunde warten auf den einen Moment, eine halbe Stunde hoffen und dann, nichts. Der Bock verschwand und die Enttäuschung war riesig, wieder nix. Am Folgetag wollte ich es erneut versuchen aber meine Arbeit im Rettungsdienst machte mir einen Strich durch die Rechnung, Überstunden sind leider nie planbar. Einer meiner Mitjäger sah den Bock am Abend, aber das es bei uns sehr fair zu geht blieb der Finger grade.

Neuer Tag, neues Glück, aber wieder die Arbeit im Nacken. Bereits vor der Arbeit bereitete ich alles vor, damit abends alles zügig von statten ginge. Der Arbeitstag verlangte mir alles ab, wieder konnte ich nicht pünktlich gehen, aber ich wollte unbedingt raus, jagen, durchatmen, den Tag ruhig ausklingen lassen. Zeitlich recht knapp baumte ich auf und langsam kehrte auch bei mir Ruhe ein. Schon nach kurzer Zeit ging mein Handy, ein Mitjäger hatte am anderen Ende des Reviers Waidmannsheil. Es wurde später - "heute ist der Bock unpünktlich" schoss es mir durch den Kopf und meine Zuversicht schwand. Ein Waschbär leistete mir Gesellschaft, aber ich lies ihn laufen, in der Hoffnung, dass das der Bock sich vielleicht einfach nur verspätete. In zehn Minuten sollte es dunkel werden, als ich rechts ein rascheln vernahm. Um keine Zeit zu verlieren nahm ich gleich die Waffe hoch, ein kurzer Blick reichte um meinen Bock wieder zu erkenne. Wenige Sekunden später stand er breit und die Sorge, er könnte gleich wieder ins Gestrüpp ziehen lies mich nicht mehr zögern. Der Schuss brach und ich war mir sicher gut abgekommen zu sein.

Gemeinsam mit meinem Pächter barg ich den Bock und verbrach ihn, glücklich, dankbar und äußerst zufrieden über den sauberen Kammertreffer und den Bock, den ich mir so mühsam ersessen habe.

Dieser Bock wird mir wohl ein Leben lang in Erinnerung bleiben, war er doch tagelang schlauer als ich.

Waidmannsheil

Miriam

Insta: miri_geht_jagen

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